Refugien für hitzeempfpindliche Fische am Hochrhein im Kanton Thurgau.
Mit der heutigen Schlussveranstaltung «Anpassung an den Klimawandel – wie kann sie gelingen?» endet das 10 Jahre dauernde Pilotprogramm des Bundes. Die Eröffnung durch Bundesrat und UVEK-Vorsteher Albert Rösti unterstreicht die Bedeutung der Thematik. Denn die Schweiz ist als Alpenland überproportional stark von den Auswirkungen der Klimaerwärmung betroffen.
Die Ergebnisse des Programms werden in der Publikation «Impulse für eine klimaangepasste Schweiz» und im Webdossier des BAFU zusammengefasst. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind sich einig, dass nun die breite Umsetzung der gefundenen Lösungen dringend angegangen werden muss. Ausserdem soll das Programm in eine permanente Form übergeführt werden, etwa als Innovationsprogramm, in welchem laufend Lösungen für die Anpassungen an den Klimawandel gefunden werden.
Während die Risiken für Menschen und Infrastrukturen im Mittelpunkt standen – Stichwort Naturgefahren – erhielt das Thema Biodiversität etwas weniger Beachtung. Dabei ist klar: Unsere Lebensgrundlage ist von dem Erhalt der Biodiversität abhängig. Massnahmen zum Erhalt der Biodiversität, wie sie auch in unserer Publikation «Fischschutzmassnahmen bei Hitzeereignissen» (PDF (DE / FR) enthalten sind, spielen eine wichtige Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel. Oder wie ein Tagungsteilnehmer etwas provokativ sagte: «Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, welche nicht dem Erhalt der Biodiversität dienen, sind zu wenig innovativ.»
«Trockenheit im Wasserschloss Schweiz?» titelte das WSL-Magazin Diagonal im Jahr 2013. Man muss auch nicht lange suchen, um ähnliche Schlagzeilen mit noch weiter zurückliegendem Datum zu finden. Und wo stehen wir heute?
«Trockenheit im Wasserschloss Schweiz?» titelte das WSL-Magazin Diagonal im Jahr 2013, also vor bereits 10 Jahren. In dem Artikel wird auf die Herausforderungen hingewiesen, die der Klimawandel für die Wasserressourcen der Schweiz mit sich bringt. Da die Schweiz als «Wasserschloss Europas» gilt, ist sie besonders empfindlich gegenüber Veränderungen des Klimas und des Wasserhaushalts. Es werden die Auswirkungen der Dürre auf die Schweizer Wälder beschrieben, insbesondere auf die Fichte, die besonders anfällig für Trockenheit ist. Zudem wird auf die Veränderungen im alpinen Wasserhaushalt eingegangen, die sich auf die Trinkwasserversorgung, die Landwirtschaft und die Energieproduktion auswirken können. Es werden auch mögliche Lösungen vorgestellt, wie die Verbesserung der Wassernutzungseffizienz, die Anpassung der Landnutzung und der Anbau von widerstandsfähigen Pflanzen. Der Artikel betont die Bedeutung einer umfassenden Strategie zur Anpassung an den Klimawandel, um die Wasserressourcen der Schweiz zu schützen.
Und heute? Haben wir diese umfassende Strategie? Denn was vor 10 Jahren noch etwas weit hergeholt schien, verwundert heute niemanden mehr. Von der Fichte verabschiedet man sich bereits, die Trinkwasserversorgung war in der Zwischenzeit punktuell schon eingeschränkt, die Landwirtschaft hat wegen Dürre Ausfälle zu beklagen und über die trockenheitsbedingten Herausforderungen bei Wasserkraft oder AKW wurde längst genug gesagt.
Immerhin stehen betreffend Gewässer heute bessere Prognosen und fundierte Planungstools zur Verfügung (Hydro-CH2018 Webatlas). Die hydrologischen Szenarien Hydro-CH2018 zeigen, mit welchen Veränderungen zu rechnen ist. Als Kernaussage dieser Szenarien heisst es auf der Webseite des National Centre for Climate Services NCCS: «Der Klimawandel verändert die Verfügbarkeit von Wasser im Jahresverlauf stark. Die hydrologischen Szenarien Hydro-CH2018 zeigen, dass die wichtige Ressource zeitweise und regional so knapp oder so warm wird, dass der Mensch sich einschränken muss und die Natur leidet. Mit Klimaschutz fallen die Veränderungen deutlich geringer aus – Klimaschutz lohnt sich. Durch konsequenten Schutz der Gewässer sowie umsichtige Planung und Bewirtschaftung lassen sich die Herausforderungen besser bewältigen.»
Betreffend aquatischen Lebensräumen stehen in der öffentlichen Wahrnehmung hitzebedingte Fischsterben an oberster Stelle (siehe auch hier). Doch nicht jeder aquatische Organismus hat die Ausstrahlungskraft einer farbenprächtigen Äsche. Die Veränderungen in Temperatur und Niederschlag haben vielfältige Auswirkungen auf unsere Interaktion mit Flüssen, Seen und dem Grundwasser. Sei es beim Hochwasserschutz, der Siedlungsentwässerung, der Wasserkraft oder dem Gewässerschutz: Wir sollten stets daran denken, wie schnell aus anscheinend abwegigen Prognosen Realität werden kann. Und dies bei unserem Handeln berücksichtigen.
Making of zur AquaPlus-Weihnachtsaktion 2022 mit Klimafächer und Bildsujet Obersee unter dem Motto «… vorausdenkend kühlen Kopf bewahren …»
Nachdem wir uns zu unserer diesjährigen Weihnachtsaktion für einen Fächer als «nachhaltigste Klima-Anlage der Welt» entschieden haben, musste noch ein geeignetes Sujet für die Gestaltung der «Luftströmungserzeugungsfläche» oder auch «Windwedelfläche» mit Kühleffekt gefunden werden. Es sollte in irgend einer Form etwas mit unseren Tätigkeiten bzw. Projekten zu tun haben, unsere Logofarben BLAU–GRÜN präsentieren, eine erkennbare Verbindung mit Wasser (= frisch, kühl, …) assoziieren, ein «natürliches» ornamenthaftes Muster darstellen (also trotz realer Quelle nicht gegenständlich sein) … und was der ausufernden Gedanken mehr sind, um sich das Leben im Zuge einer selbst auferlegten kreativen und gestalterischen Herausforderung schwer zu machen.
Wie oft bietet eben dieses Leben auch den Zufall als Lösung für verzweifelt Gesuchtes an und so sind wir fündig geworden in einem Bild, welches im firmeninternen Chat von unserer Mitarbeiterin Helena Vogler gepostet wurde als «Beweis», dass unser Tauch- und Untersuchungsteam an ihrer Arbeitsstätte am Obersee bei Näfels (GL) angekommen und produktiv am Werk ist. Nachstehend nun das Ausgangsbild «Obersee» als Basis für das Drucksujet auf dem Klima-Fächer …
Wer dem Zufall aufgeschlossen gegenüber steht oder auch bereit ist, eben diesen als ausschlaggebenden inspirativen Anschub zuzulassen, darf im Bild «Obersee» erkennen, dass alle gewünschten Anforderungen zum Drucksujet auf wundersame Weise enthalten sind, wie im nachstehenden Ausschnitt hoffentlich sofort deutlich wird …
Ein wenig «handwerkliche» Bearbeitung im Finish zum fertigen Ergebnis des Drucksujets war natürlich schon noch erforderlich, vor allem hinsichtlich der farblichen und ornamenthaften Kriterien, wobei das aus der Natur entlehnte Grundmuster weiterhin das bildprägende Element bleibt …
Auf weitere Details im Prozess zum Druck der Fächerfläche, wie beispielsweise die überaus interessanten Eigenheiten und Unterschiede der RGB- und CMYK-Farbwelten, muss an dieser Stelle nicht eingegangen werden, am Ende wird der Sage nach ja alles gut und so auch das fertige Ergebnis bzw. das «Aqua Weihnachts Klima Obersee Fächer Aktion Plus»-Produkt, wie es nun vor dir liegt und mit der nachstehenden Darstellung übereinstimmen müsste …
So hoffen wir, dass der Klima-Fächer zur Freude gereiche und bereits zur Weihnachtszeit vorausdenkend alles unternommen wird, in den unweigerlich wieder kommenden hitzigen Zeiten das passende Equipement für die Bewahrung eines kühlen Kopfes bereit zu haben. Auf dass in Erinnerung bleibe, dass AquaPlus stets bemüht ist, handliche, konstruktive, passende und stimmige Lösungen zu finden, im Bedarfsfall mit Leichtigkeit auch in Herz- und Kopf erfrischender Manier!
Apropos Obersee (siehe Eingangsbild und Originalvorlage zum Drucksujet des Klima-Fächers): In diesem Gewässer, nahe bei Näfels im Kanton Glarus, untersuchen wir seit längerer Zeit die Entwicklung und Dynamik der Wasserpflanzenbestände, unter anderem auch im Kontext der Auswirkungen auf die fischereiliche und touristische Nutzung. Dabei sind wir auch taucherisch unterwegs mit periodischer Erfassung der immer gleichen Seegrundabschnitte hinsichtlich Bewuchsdichte, Artenzusammensetzung, Häufigkeiten der einzelnen Arten, Untergrundbeschaffenheit und vieler weiterer Aspekte. Mit Hilfe unserer eigens entwickelten und seit über 20 Jahren praktizierten Methodik der systematischen Vegetations- und Untergrunderhebung in stehenden Gewässern (… Methode zur Erfassung der submersen aquatischen Vegetation plus weiterer Parameter, Abkürzung: «MESAV+», publiziert in Aqua&Gas im Jahr 2014) sind wir in der Lage, hinsichtlich verschiedener Fragestellungen quantitative Auswertungen vorzunehmen und die Entwicklung und das «Verhalten» dieses aquatischen Ökosystems zu analysieren, zu beurteilen, zu prognostizieren und auch geeignete Massnahmen im Naturmanagement vorzuschlagen … oder auch auf einem breiten Erfahrungshintergrund von ungeeigneten abzuraten. Für Auskünfte zu unseren Aktivitäten und Projekten zum Thema stehende Gewässer und Wasserpflanzen – und weiteres mehr – stehen wir gerne zur Verfügung.
Ein rot gefärbter Weiher ist nach wenigen Stunden wieder normal gefärbt und am nächsten Tag wieder rot. Diesem Mysterium sind wir auf die Schliche gekommen
Im Natur- und Tierpark Goldau wurde in der neu erstellten Storchenanlage auch ein neuer Weiher angelegt. Im Sommer darauf färbte sich dieser kräftig rot. Das kann es durchaus geben, bekannt sind ja die Blutseen in den Alpen.
Im Sommer war der Weiher in der Storchenanlage stark rot gefärbt.Dieses Foto entstand drei Stunden später und es war keine Spur mehr von rot zu sehen.
Mysteriös wurde es, als drei Stunden später der Weiher plötzlich wieder «normal» grün-blau aussah. Ein so schneller Farbwechsel eines ganzen Gewässers ist doch sehr unüblich. Aus Neugier wurde eine Wasserprobe entnommen und mikroskopisch untersucht. Es stellte sich heraus, dass es Augenflagellaten (Euglenophyceae) sind, welche zu den Algen gehören. Die in der Probe massenhaft vorhandene Art war Euglena sanguinea (Rotes Augentier), ein Einzeller, welcher mit dem Vorhandensein von Hämatochromkörnchen (rötlicher Farbstoff Astaxanthin) natürlicherweise rot gefärbt ist (siehe Blog-Beitrag: Algen – ein Partyknaller). Wenn sie aktiv sind, haben sie eine länglich-ovale Form, inaktiv rollen sie sich kugelförmig zusammen. Je nach Zustand waren diese Zellen um 30 bis 100 Mikrometer gross. Sie weisen einen Augenfleck auf, der auf Licht reagiert und eine Geissel zur Fortbewegung. Diese Augenflagellaten-Art ist nicht selten oder gar gefährdet, doch sie kommt auch nicht häufig vor.
Unter dem Mikroskop kommt man dem Mysterium näher.Die rote Farbe kommt vom Roten Augentier (Euglena sanguinea). Daneben die fädige Jochalge Spirogyra sp. die aber nichts mit dem Rotphänomen zu tun hat.
Im Buch von August Thienemann («Die Binnengewässer» von Prof. Dr. August Thienemann – Band XVI – «Das Phytoplankton des Süsswassers», 4. Teil von G. Huber-Pestalozzi. Stuttgart 1955) erfährt man mehr über diese Alge. Naturforscher haben beobachtet, dass es bei starker Beschattung einen Farbumschlag von rot nach grün gibt. Die Algen können somit ihre Färbung ändern. Ein Versuch mit künstlicher, starker Beschattung zeigte einen Farbumschlag nach 20 Minuten von rot nach grün. Bei einer Wieder-Besonnung dauerte es sogar nur sechs Minuten, bis die Algenblüte wieder rot war. Zudem können sie bei starkem Regen zeitweise verschwinden, da sie sich abkühlen und sich auf dem Boden sammeln, bis sie bei wärmeren Bedingungen wieder an die Oberfläche zurückkehren. Zusätzlich kann der Blickwinkel noch entscheidend sein. Je nach dem, von wo und in welchem Winkel der Weiher betrachtet wird, erscheint er mehr oder weniger rot. Eine spannende Alge ist sie auf jeden Fall!
Während Hitzeereignissen können die Wassertemperaturen stark ansteigen und empfindliche Fischarten in Hitzestress versetzen oder sogar deren Tod verursachen. Im Hochrhein stiegen in den Sommermonaten der Jahre 2018 und 2003 die Wassertemperaturen derart stark an, dass es zu massiven Fischsterben kam. Am stärksten davon betroffen war damals die Äsche.
Auch im aktuellen Sommer 2022 haben die Fische mit Hitze und den Auswirkungen der Trockenheit zu kämpfen. Zahlreiche Fliessgewässer im Mittelland führen kaum mehr Wasser und teilweise sind auch schon Fische an den hohen Wassertemperaturen zugrunde gegangen. Und auch im Hochrhein bei Neuhausen wurden Ende Juli und Anfang August Wassertemperaturen von über 25 °C gemessen und leider auch verendete Fische gefunden. Denn für empfindliche Fischarten wie Forellen und Äschen verursachen Wassertemperaturen von über 20 °C Stress, ab 23 °C wird es für sie kritisch und ab 25 °C sogar lebensbedrohlich!
Die für die Fischerei verantwortlichen Stellen der Anrainerkantone ergriffen bei diesen Hitzeereignissen eine Reihe von Notmassnahmen, mit dem Ziel, die Fische vor Hitzestress zu schützen bzw. deren Überlebenschancen zu erhöhen. Situationen mit Hitze und Trockenheit sind bedingt durch den Klimawandel in Zukunft vermehrt zu erwarten. Neben dem Hochrhein können auch weitere grosse und mittlere Fliessgewässer betroffen sein. Eine gute Vorbereitung kann helfen, die Lebensgemeinschaft der Fische bei künftigen Hitzeereignissen bestmöglich zu schützen.
Im Rahmen des Pilotprogramms des Bundes «Anpassungen an den Klimawandel» haben wir in Zusammenarbeit mit dem BAFU und den Fachstellen der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Thurgau, Schaffhausen und Zürich eine Arbeitshilfe erarbeitet, um das aktuelle Wissen zum Thema «Fischschutz bei Hitzeereignissen» zu sichern, zusammenzutragen, weiterzuentwickeln und zu publizieren.
Die vorliegende Arbeitshilfe soll ein Hilfsmittel für die Sensibilisierung, Information und Koordination der Entscheidungsträger bieten und die Akzeptanz von Betroffenen für notwendige Massnahmen erhöhen. Die Arbeitshilfe basiert auf den gemachten Erfahrungen der Jahre 2003 und 2018. Sie gliedert sich in eine Einführung in die Problematik von Hitzeereignissen und bietet praxisnahe Lösungen zur Bewältigung von Hitzereignissen mittels Anleitung zur Notfallplanung und Massnahmenblättern.
Fischschutzmassnahmen bei Hitzeereignissen. Arbeitshilfe.PDF
Mesures de protection des poissons en cas de canicule. Guide de travail.PDF
Die Bedeutung von Geschiebe und Schwebstoffen für die Lebewelt im und am Bach.
In einem Fliessgewässer bewegt sich nicht nur Wasser; auch die vermeintlich fixe Gewässersohle ist bei näherer Betrachtung mobil. Je nach Grösse des Abflusses werden kleinste Steinkörner und bis zu grosse Steinbrocken flussabwärts transportiert. Letztere bleiben manchmal «gefühlt» ewig an Ort und Stelle liegen, zumindest so lange, bis bei einem grossen Hochwasser die gesamte Gewässersohle mobilisiert wird. Insgesamt unterliegt das System Fliessgewässer sowohl hinsichtlich des Abflusses als auch der Gewässersohle einer ständigen Dynamik, welche gewässerabhängig stärker oder schwächer ausfällt. Hochwasser spielen dabei eine wichtige Rolle. Dieser Dynamik sind die Lebewesen des Fliessgewässers ausgesetzt, was einiges an Anpassung erfordert (hat). Fische können sich bis zu einem gewissen Mass aufgrund ihrer Schwimmleistung der Abschwemmung entziehen. Sie müssen sich jedoch, wie alle anderen Tiere und Pflanzen der Fliessgewässer, grundsätzlich an die im Vergleich zum Wasser stabile Gewässersohle halten. Dort stehen Lückensystem, Unterschlupfe und Oberfläche für die Besiedlung zur Verfügung. Doch aufgepasst: Erst noch sicheres Versteck kann sich die Gewässersohle bei Hochwasser in eine Todesfalle verwandeln. Vom Leben in diesem Spannungsfeld bzw. der Bedeutung von Geschiebe und anorganischen Schwebstoffen in Fliessgewässern für die verschiedenen Bewohner der Gewässer handelt dieser Beitrag.
Der Rechtsgrundsatz «dies für das», wonach eine angemessene Gegenleistung zu erbringen ist, findet auch im Lebensraumschutz Anwendung. Kann die Beeinträchtigung eines Schutzinteresses nicht vermieden werden und ist eine Wiederherstellung nicht möglich, so ist entsprechend Ersatz zu leisten. Doch wie ist dieser Ersatz zu bemessen? Wie sieht die angemessene Gegenleistung aus?
Die präsentierte Methode schliesst eine Lücke und ermöglicht erstmals eine spezifische Quantifizierung des Ersatzbedarf in aquatischen Lebensräumen. Dabei werden Wasserpflanzen als Indikatorstruktur genutzt, um das Ausmass des Eingriffs abzuleiten. Methoden für die Ersatzberechnung im terrestrischen Bereich sind für die Situation in untergetauchten Uferbereichen nicht geeignet.
Ersatzbedarf bei Eingriffen in schutzwürdige aquatische Lebensräume (Umweltrecht in der Praxis, URP 7, 2021).PDF
Methodenbeschrieb zur Bemessung und Umsetzung des Ersatzbedarfes bei Konzessionserneuerungen / Neukonzessionierung von (Hafen-)Anlagen in stehenden Gewässern. Basierend auf den Auswirkungen auf die Ufer- und Unterwasservegetation.PDF
Mit den ersten beiden kommen hoffentlich alle im Laufe ihres Lebens in Kontakt. Laufkäfer geniessen wohl weniger Sympathien, doch auch sie treffen wir in revitalisierten Ufern vermehrt an. Denn viele der Arten der Laufkäfer haben spezielle Lebensraumansprüche und weisen auf funktionsfähige Ökosysteme hin.
Gefährdete Laufkäferarten, von links nach rechts: Schwarzmetallische Ahlenläufer (Bembidion prasinum, EN), Gold-Uferläufer (Elaphrus aureus, EN), Auwald-Schnellläufer (Harpalus progediens, VU) und Sandahlenläufer (Perileptus areolatus, NT). Quelle: http://eurocarabidae.de/.
Laufkäfer und ihre Lebensräume in der Schweiz
Laufkäfer sind eine artenreiche Familie, welche in der Schweiz mit 526 Arten vertreten ist. Sie besitzen eine vielfältige Ökologie und sind gut erforscht. Aufgrund der Rote Liste ist u.a. bekannt, welche Arten wie stark gefährdet sind.
Unter den Laufkäfern gibt es weit verbreitete Generalisten; viele Arten sind aber auch absolute Spezialisten. So kommt rund ein Viertel (139 Arten) aller Laufkäfer in der Schweiz entweder ausschliesslich oder vorwiegend in Auenbiotopen vor. Von diesen sind rund 50 % (78 Arten) auf der Roten Liste. Dies zeigt die ausgesprochene Wichtigkeit der in intakten Auenlandschaften vorgefundenen Lebensraumvielfalt für diese Artengruppe.
Ufernahe, vegetationsarme bzw. –freie Kies-, Sand- und Schlickflächen bilden die Lebensgrundlage für eine Vielzahl an (gefährdeten) Laufkäferarten. Gerade diese Arten sind oft sehr mobil und können, sofern Habitatfragmente mit entsprechenden Reliktpopulationen noch vorhanden sind, neu geschaffene Lebensräume relativ schnell wiederbesiedeln.
Laufkäfer als Zielarten bei Gewässerrevitalisierungen
Bei Revitalisierungsmassnahmen werden oft Fische oder Vögel, teilweise Wasserwirbellose als Zielarten aufgeführt. Laufkäfer gehen in der Regel vergessen, obwohl sie hervorragende Indikatoren für die Wiederherstellung funktionierender Auen bzw. Auenstrukturen sind. Dies ungeachtet dessen, dass sie abgesehen von den Kurzflüglern und Spinnen die mit Abstand artenreichste Gruppe in Auenbiotopen bilden. Sie können nach Absprache mit dem BAFU via «Indikator-Set 11 – Spezifisches Ziel» in einer Wirkungskontrolle einbezogen werden. Das Revitalisierungsziel wäre also die Besiedlung eines aufgewerteten Gebietes durch (hochspezialisierte) Auenarten oder eine Vergrösserung der Population schon vorhandener Arten.
Lebensraum für Laufkäfer am Alpenrhein.
Vier Artbeispiele, welche in der Schweiz nur in Auenbiotopen vorkommen
Der stark gefährdete Schwarzmetallische Ahlenläufer (Bembidion prasinum, durchschnittlich 4.9 mm lang) ist feuchtigkeitsliebend und kommt an sand- und kiesigen Ufern ohne Vegetation vor. Ebenfalls stark gefährdet ist der Gold-Uferläufer (Elaphrus aureus, durchschn. 6.3 mm). Er ist ausgesprochen feuchtigkeitsliebend und besiedelt Ufer mit Vegetation sowie Auenwälder mit tonig- bis sandigem Substrat.
Der gefährdete Auwald-Schnellläufer (Harpalus progediens, durchschn. 7.5 mm) ist feuchtigkeitsliebend und besiedelt Ufer mit Vegetation, Auenwälder sowie Wiesen an Gewässern und entlang von Flüssen. Der potenziell gefährdete Sandahlenläufer (Perileptus areolatus, durchschn. 2.5 mm) ist feuchtigkeitsliebend und besiedelt sand- und kiesige Ufer ohne Vegetation, wo er direkt an der Wasserlinie im Interstitial (Lückensystem zwischen den Sandkörnern und Kieseln) vorkommt.
Laufkäfer als Indikatoren bei Gewässerrevitalisierungen
Revitalisierungsmassnahmen an Fliessgewässern und Seeufern zielen u.a. gerade auf die Schaffung der auch für Laufkäfer erforderlichen Strukturen ab. Eine gelungene (Wieder-) Besiedlung mit Laufkäfern ist daher ein geeignetes Mass für den Erfolg der umgesetzten Massnahmen. Laufkäfer sollten daher Bestandteil von Erfolgskontrollen sein.
Die Erwärmung unserer Gewässer aufgrund des Klimawandels erhitzt in der Gewässerökologie die Gemüter. Der Sommer 2021 war eine Verschnaufpause, die nächste Hitze kommt bestimmt. Als Kontrastprogramm wirft man am besten einen Blick in eiskalte Gewässer.
Am richtigen Ort schauen …… mit den richtigen Tools.
Der Bach ist ganzjährig ein Lebensraum, an welchen die Lebensstadien der Organismen angepasst sind. Welche Veränderungen sind problematisch? Was kann man tun?
Einen kühlen Kopf bewahren und auch im 2022 wieder Lösungen finden! Wir wünschen frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!