Flachwasserzonen in Seen sind viel mehr als idyllische Uferbereiche – sie sind lebenswichtige Brutstätten und Kinderstuben für zahlreiche Fischarten. Doch welche Faktoren machen diese Lebensräume besonders wertvoll? Und wo befinden sich diese Lebensräume entlang der Seeufer? Eine neue Modellierungsmethode gibt Antworten.
Ein junger Hecht versteckt sich zwischen Wasserpflanzen.
Viele Fischarten nutzen Flachwasserzonen als Laichgebiet und Kinderstube für ihren Nachwuchs. Pflanzenreiche Uferzonen bieten nicht nur Nahrung, sondern auch Laichsubstrat und Deckung vor Fressfeinden. Beispielsweise Hechte und Egli sind auf strukturreiche Vegetation angewiesen: Während der Hecht seine Eier an Schilfhalmen befestigt, nutzt der Egli tiefere Gewässerzonen mit Totholz und Wasserpflanzenbeständen. Aber nicht nur Räuber profitieren. Auch Friedfische wie Rotfedern oder Schleien brauchen dichte Unterwasservegetation als Laichsubstrat. Sogar Arten, die ihre Eier frei ins Wasser abgeben, bevorzugen es, wenn ihre Eier auf Vegetationsbeständen landen – das erhöht die Überlebenschancen.
Jungfische suchen Deckung innerhalb der Vegetationsstruktur und an deren Rändern.
Das Fischökologische Potenzial (FÖP) – ein Blick in die Zukunft der Gewässerbewertung
Wie kann man nun den ökologischen Wert eines Flachwassergebiets objektiv bewerten? Hier kommt das Fischökologische Potenzial (FÖP) ins Spiel – ein Modell, das die Eignung eines Gebiets als Laichhabitat und für Jungfische analysiert. Es basiert auf einer detaillierten Wasserpflanzen- und Seegrunderhebung nach MESAV+ und verwendet sogenannte Präferenzkurven.
Berücksichtigt werden wichtige Faktoren wie:
die Untergrundbeschaffenheit
die Vegetationsstruktur
die Wassertiefe
die saisonalen Veränderungen
Durch die Kombination dieser Faktoren wird die Habitateignung bestimmt und räumlich aufgezeigt, wo Fische ideale Bedingungen für die jeweiligen Lebensphasen finden.
Ungeschützte Jungfische im Freiwasser.
Warum das FÖP wichtig ist
Traditionelle Methoden zur Erfassung von Fischbeständen, wie Netzfänge oder Tauchgänge, sind aufwendig und lassen in der Regel keine standortbezogenen, quantitativen Beurteilungen zu. Das FÖP-Modell bietet somit eine kosteneffiziente, nicht-invasive Ergänzung, die insbesondere eine langfristige Entwicklungen in Gewässerabschitten sowie lokale Auswirkungen menschlicher Eingriffe sichtbar macht.
Es kann unter anderem dabei helfen:
Wertvolle Fischhabitate zu identifizieren und zu lokalisieren
Revitalisierungsmaßnahmen zu planen und deren Entwicklung zu beurteilen
Menschliche Eingriffe auf ihre Auswirkungen zu überprüfen
Fischhabitate in unterschiedlichen Uferabschnitte zu vergleichen
Neben den bisherigen Methoden eröffnet das FÖP neue Möglichkeiten für die Identifikation und damit dem Schutz Fischhabitaten und damit verbunden lokalen Fischpopulationen. Durch kontinuierliche Datenerhebung und die Verknüpfung mit bestehenden Forschungsprojekten (z. B. «Projet Lac») können langfristige Trends erkannt und gezielte Schutzmaßnahmen entwickelt werden. Mit innovativen Ansätzen wie dem Fischökologischen Potenzial FÖP können wir unsere Gewässer nachhaltig bewahren – für gesunde Fischbestände, artenreiche Ökosysteme und letztendlich auch für uns Menschen.
Ein Egli-Schwarm angetroffen am Übergang zwischen Röhricht und Laichkrautbestand.
Characeen, auch bekannt als Armleuchteralgen, sind eine bemerkenswerte Artengruppe, welche in den unterschiedlichsten Gewässern auf der ganzen Welt vorkommt. Ihre einzigartige Erscheinung und ökologische Bedeutung machen sie zu einem spannenden Thema für Naturliebhaber und Wissenschaftler gleichermaßen.
Characeen sind mehrzellige Makroalgen, die oft in klaren, nährstoffarmen Gewässern wie Seen, Teichen, Moortümpeln oder langsam fließenden Flüssen anzutreffen sind. Sie bilden dichte, grüne Teppiche am Gewässergrund, die eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen. Ihre vielgliedrigen, armleuchterartigen Strukturen, die ihnen ihren deutschen Namen verleihen, sind leicht zu erkennen.
Die Verwachsenfrüchtige Glanzleuchteralge (Nitella syncarpa) in einem Amphibienweiher in den Thurauen (Foto: Matthias Sturzenegger)
Characeen sind wahre Ökosystem-Ingenieure: Sie tragen zur Verbesserung der Wasserqualität bei, indem sie Nährstoffe aufnehmen und Sauerstoff produzieren. Gleichzeitig bieten sie Lebensraum und Nahrung für eine Vielzahl von Wasserlebewesen. Ihre Fähigkeit, Sedimente zu stabilisieren und dadurch beispielsweise Algenblüten in Schach zu halten, macht sie besonders wertvoll für das ökologische Gleichgewicht.
Dichter Armleuchteralgenteppich, gebildet durch die Steifhaarige Armleuchteralge (Chara hispida) im St. Moritzersee (Foto: Helena Burch)
Leider sind Characeen in vielen Regionen gefährdet. Die Überdüngung von Gewässern (Eutrophierung), Lebensraumzerstörung und invasive Arten setzen ihnen zu. Die meisten Arten in der Schweiz stehen bereits auf der Roten Liste. Der Schutz ihrer Lebensräume und eine nachhaltige Gewässerbewirtschaftung sind entscheidend, um diese faszinierende Artengruppe zu bewahren.
Exemplar der Knäuel-Armleuchteralge (Tolypella glomerata), gemäss aktuellen Fundmeldungen die einzige Vertreterin der Gattung Tolypella in der Schweiz (Foto: Matthias Sturzenegger)
Characeen sind nicht nur ökologisch bedeutsam, sondern auch ein Beispiel für die Schönheit und Komplexität der Natur. Wer sie einmal bewusst beobachtet hat, wird die zarten Armleuchterstrukturen nie wieder vergessen.
Dichter Bestand aus Faden-Armleuchteralge (Chara filiformis) und wenig Geweih-Armleuchteralge (Chara tomentosa) im Hintergrund, angetroffen im Luzernerbecken des Vierwaldstättersees (Foto: Matthias Sturzenegger)
PEAK-Vertiefungskurs
Im März 2025 hat die Eawag einen Kurs zum Thema «Characeen – Schutz und Förderung einer unbekannteren Artengruppe» im Angebot, welcher durch uns/Matthias Sturzenegger und Adrian Möhl geleitet wird. Dieser Kurs soll einen vertieften Einblick in die aktuelle Forschung zu Taxonomie und Autökologie einzelner Arten bieten, Möglichkeiten aufzeigen, wie die Artengruppe gefördert werden kann und anhand von Praxisbeispielen Einblick in die Chancen und Herausforderungen einer spezifischen Artförderung bieten. Die aktuelle Überarbeitung der Roten Liste der Characeen ist ebenso Bestandteil des Kurses wie der Beitrag von verschiedenen Steakholdern zu Schutz und Förderung der Armleuchteralgen. Neben der fachlichen Weiterbildung steht zudem die Vernetzung der Akteure im Vordergrund.
Die Geweih-Armleuchteralge (Chara tomentosa) in der Flachwasserzone des Silsersees (Foto: Yvonne Bernauer)
Die fischgängige Sanierung von nicht kraftwerksbedingten Hindernissen rückt immer stärker in den Fokus bei Revitalisierungen von Fliessgewässern. Zur Überprüfung der Durchwanderbarkeit von Hindernissen und Sanierungsmassnahmen haben sich Markierungsmethoden (z.B. mit PIT-Tags) bewährt. Dafür haben wir einen Vorschlag entwickelt, wie die Fischgängigkeit in Abhängigkeit der Körperlänge standardisiert bewertet werden kann.
PIT-Tag wird
in die Körperhöhle des betäubten Tieres eingepflanzt. Foto: AquaPlus
Der Methodenvorschlag wurde in der Zeitschrift «Wasser Energie Luft» in der Ausgabe Nr. 2-2024 publiziert und in einem Webinar der Wasser-Agenda 21 vorgestellt. Für alle Interessierten kann das Webinar hier und das PDF hier abgerufen werden.
Die invasive Wasserpflanzenart Nuttalls Wasserpest (Elodea nuttallii) hat sich in den Schweizer Gewässern etabliert. Je nach Standort kann sie sehr dichte und hochwachsende Bestände bilden. Nebst dem Verdrängen einheimischer Arten können solche Bestände auch die Erholungsnutzung nachteilig beeinflussen. In Hafenanlagen können sie den Bootsverkehr beeinträchtigen oder sie können das Baden und Fischen erschweren.
Im angehängten Artikel wird eine mögliche Bekämpfungsweise dieser invasiven Wasserpflanze (und potenziell auch weiterer invasiver Arten) dargestellt. PDF
Biene Meier plant einen Städtetrip in die Schweiz. Wie bei Wildbienen mittlerweile üblich, informiert sie sich online auf honigbnb.ch oder hummelflugadvisor.ch. Nach vielen Klicks ist sie enttäuscht. Leider findet sie vor allem künstliche Nisthilfen, manche davon sogar mit Chemie behandelt oder aus weither importierten Materialien. Ein Blick in die Bewertungen zeigt durchwegs schlechte Erfahrungen anderer Insekten, mit Ausnahme der für ihre Anspruchlosigkeit bekannten Allerweltsarten. Nach einer vertieften Recherche auf alternativen Webseiten wird sie doch noch fündig: lehmige Sandlinsen, markhaltige Pflanzenstängel oder leere Schneckenhäuser. Doch oh weh! Gastronomisches Niemandsland! Es dominieren internationale Fast-Food-Ketten von hochgezüchteten Zierpflanzen ohne ökologischen Wert! Zum Glück findet die kleine Biene Meier auf einer obskuren Seite für naturbewusste Landschaftsarchitektur die Koordinaten von naturnahen Gärten, verwilderten Brachen und artenreichen Balkonen. Jetzt ist die Vorfreude gross.
Wildbienen zu helfen ist nicht schwer. Wildbienen richtig zu helfen auch nicht. Es braucht vor allem natürliche Nistmöglichkeiten für seltene Arten und einheimische, blühende Wildpflanzen.
Kein Garten zu klein – vielfältig zu sein!
Christine Dobler Gross
Wichtigste Aspekte:
möglichst grosse Flächen mit einheimischen, von März bis November blühenden Wildpflanzen.
besonnte, wenig bewachsene Bodenstellen (Sandlinsen, Ruderalflächen, Hanganrisse, etc.). Denn ca. 70% der bekannten 620 Wildbienenarten nisten im Boden.
Weitere Informationen und Hilfsmittel:
Individuell zugeschnittene Pflanzenliste und Info zu wertvollen Strukturelementen auf https://floretia.ch.
Und natürlich bilden auch natürliche Ufer Lebensraum für Wildbienen und viele weitere Arten. Dabei sind jedoch nicht alle Lagen geeignet für offene, besonnte Flächen. Manchmal ist eine gute Beschattung für einen kühlen Bach wichtiger. Zentral ist, dass standortgerechte Lebensräume entstehen. Eine kompetente ökologische Begleitung schafft Mehrwert bei jeder Gewässeraufwertung.
Der Sommer ist da und die Seen laden zum baden ein. Beim Sprung ins kühle Nass ist den Wenigsten bewusst, zu welch vielfältigen Lebewesen sie sich gesellen.
Wer beim nächsten Besuch eines Sees eine Schwimmbrille oder noch besser eine Tauchmaske mitnimmt, wird die Möglichkeit haben, selbst einen Blick auf eine magische Unterwasserwelt voller Leben in den unterschiedlichsten Formen zu werfen. Was Laien schnell zum Staunen bringt, ist für Fachleute oft Anlass für Diskussionen und sogar Streitereien. Denn es gibt viele offene Fragen bezüglich der Artenvielfalt der untergetauchten Tiere und Pflanzen. Um die Lebensgemeinschaften unserer Seeufer schützen zu können, ist es von großer Bedeutung, sie genau zu kennen. Zwei Artikel in unserer Liste der Publikationen bieten Einblicke in diese faszinierende Welt, und das sogar ohne Tauchmaske.
Eine Nixe ist ein mythologisches Wesen, das in verschiedenen Kulturen vorkommt. Es wird oft als weiblicher Wassergeist dargestellt, der in Flüssen, Seen oder dem Meer lebt. Nixen werden oft als wunderschöne, anmutige Kreaturen beschrieben, die die Gestalt einer Frau haben, aber mit dem Schwanz eines Fisches enden. Sie gelten als mächtige Wesen, die mit dem Wasser verbunden sind und über magische Fähigkeiten verfügen. Grund genug, vor dem Bade mehr über die Nixenkräuter zu erfahren!
Verkannte Nixenkräuter (FloraCH N°15 / Herbstausgabe 2022). PDF
Unterwasseraufnahme des Grossen Nixenkrauts (Najas marina) im Zürichsee.
Muscheln sind weitaus mehr als nur die Hauptzutat in dem berühmten Gericht Moules-Frites. Tatsächlich haben wir sie auch hier in unseren heimischen Seen. Diese faszinierenden Lebewesen leben verborgen im Seegrund und tragen zur Vielfalt unserer Gewässer bei. Sie spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, indem sie als Filterfresser das Wasser reinigen und dazu beitragen, dass es klar und gesund bleibt. Wer also gerne badet, ist unseren Grossmuscheln zum Dank verpflichtet.
Ein Leben im Verborgenen: Grossmuscheln (Naturforschende Gesellschaft in Zürich, Neujahresblatt, 2022). PDF
Unterwasseraufnahme einer Entenmuschel (Anodonta anatina) im Walensee.
Hitze- und Trockenheitsereignisse bedrohen bereits heute die Populationen von empfindlichen Fischarten in grossen Fliessgewässern der Schweiz. Die Klimaprognosen sagen eine weitere kontinuierliche Erwärmung unserer Flüsse sowie eine Zunahme von extremen Temperatur und Niederschlagsereignissen voraus. Eine gute Vorbereitung kann helfen, die Lebensgemeinschaft der Fische bei künftigen Hitzeereignissen bestmöglich zu schützen.
Fische, wie die Gruppe im Bild, sind mobil und ändern je nach Situation ihren Standort im Gewässer.
Es wird erwartet, dass der Klimawandel erhebliche Auswirkungen auf die Fischpopulationen in der Schweiz haben wird. Arten mit geringer Wärmetoleranz sind bereits heute von den Veränderungen betroffen. Es lassen sich grob folgende Problemfelder identifizieren.
Link zur Arbeitshilfe / Lien vers la guide de travail
Erhöhte Wassertemperaturen: Der mit dem Klimawandel verbundene Temperaturanstieg wird zu erhöhten Wassertemperaturen in Flüssen und Bächen führen. Fischarten, die an kühlere Gewässer angepasst sind, wie sie in alpinen Einzugsgebieten vorkommen, können unter diesen wärmeren Bedingungen nur schwer überleben und sich fortpflanzen. Höhere Temperaturen können auch die Stoffwechselrate von Fischen erhöhen, was zu einem erhöhten Energiebedarf und geringeren Wachstumsraten führen kann.
Veränderungen der Abflussmuster: Der Klimawandel verändert die Niederschlagsmuster, was zu einer veränderten Abflussdynamik der Flüsse führt. Änderungen des Abflusses können sich auf Fische auswirken, indem sie ihren Zugang zu geeigneten Lebensräumen verändern. So kann beispielsweise ein geringerer Abfluss während kritischer Perioden die Wanderung und Fortpflanzung von Fischen behindern. Auch Veränderungen des Zeitpunkts und des Ausmaßes von Hochwasserereignissen haben tiefgreifende Auswirkungen auf Fischpopulationen. Zunehmende Winterhochwasser können etwa den Laicherfolg der Bachforelle massgeblich beeinträchtigen.
Artenkonkurrenz und invasive Arten: Wenn sich die Verbreitung von Fischarten als Reaktion auf veränderte Umweltbedingungen verschiebt, führt dies zu veränderten ökologischen Gemeinschaften. Einige Fischarten können ihr Verbreitungsgebiet auf Gebiete ausdehnen, die zuvor von Fischen mit geringer Hitzetoleranz besetzt waren, was zu einem verstärkten Wettbewerb um Ressourcen führen kann. Darüber hinaus kann die Einführung nicht heimischer Fischarten, die eine höhere Hitzetoleranz aufweisen, die Dynamik weiter verkomplizieren und das Überleben der einheimischen Fische bedrohen.
Um diese Auswirkungen abzumildern und die Fischpopulationen bei der Anpassung an die sich ändernden Bedingungen zu unterstützen, können Massnahmen wie die Wiederherstellung von Lebensräumen und deren Vernetzung, die Schaffung von Fischpassagen, die Einführung strengerer Wasserbewirtschaftungspraktiken und die Schaffung von Kaltwasserrefugien ergriffen werden.
Eine Strategie auf Ebene des Einzugsgebietes (Einzugsgebietmanagement) kann helfen, die verschiedenen Tätigkeiten aufeinander abzustimmen. Ein zentraler Aspekt einer solchen Strategie sollte die Verbesserung der Wasserrückhaltekapazität durch angepasste Landnutzungsformen sein. Abflussspitzen bei Starkniederschlagsereignissen und zu tiefen Abflüssen während Trockenheit kann so entgegengewirkt werden. Ausserdem führt die Wasserspeicherung in Böden zu einem ausgeglicheneren Temperaturhaushalt und zu verringerten Einträgen von Schadstoffen in den Gewässern.
Nebend der generellen Veränderungstendez durch den Klimawandel treten schon heute immer häufiger Extremereignisse auf. Während einer Hitzewelle mit hohen Wassertemperaturen und geringem Wasserdurchfluss ist es von entscheidender Bedeutung, sofortige Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich Notfallmaßnahmen, um die Auswirkungen auf die Fischpopulationen in Flüssen und Bächen zu mildern. Im Folgenden sind einige Maßnahmen aufgeführt, die durchgeführt werden können:
Ausbaggerung eines Kolks als Notmassnahme für durch hitze gestresste Fische.Modulare Fischaustiegshilfen können rasch installiert werden.Deckungsstrukturen bieten Refugien für Fische.Netze bieten Beschattung und Schutz für Fische während Hitzeperioden.Schaufelradbelüfter können den Sauerstoffgehalt eines Gewässers erhöhen.
Überwachung der Wassertemperaturen: Eine regelmäßige Überwachung der Wassertemperaturen ist während Hitzewellen unerlässlich. Diese Informationen können helfen, Gebiete mit gefährlich hohen Temperaturen zu identifizieren und gezielte Maßnahmen zu ergreifen. Die Überwachung kann mithilfe von Temperatursensoren oder Wärmebildtechnik erfolgen.
Einführung von Fischereibeschränkungen oder -verboten: Vorübergehende Fischereibeschränkungen oder -verbote können verhängt werden, um die Belastung der Fischpopulationen in Zeiten extremer Hitze und geringer Wasserführung zu verringern.
Schaffung von temporären Beschattungs- und Deckungsstrukturen: Temporäre Strukturen, wie künstliche Abdecknetze und Ausbaggerung künstlicher Kaltwasserzonen können in bestimmten Bereichen umgesetzt werden. Solche Strukturen werden von Fischen als Refugien genutzt und sie können so kritische Perioden überstehen. Temporäre Strukturen sollte stets von einem Massnahmepaket zur Reduktion von Störungen (Informationstafel, Absperrung, Kontrolle durch Fischereiaufsicht) begleitet werden.
Anbindung von Seitengewässern: Seitengewässer sind heute oftmals durch anthropogene Hindernisse (Abstürze, Schwellen, Durchlässe) oder durch natürliche Barrieren (Deltabildung durch Geschiebeablagerung) vom Hauptgewässer abgeschnitten. Niedrige Wasserstände erschweren die Situation zusätzlich. Die Anbindung von Seitengewässern – permanent oder temporär in Form einer Notmassnahme – erhöht die Verfügbarkeit von wichtigen Refugialräumen während Hitzeperioden.
Erhöhung des Sauerstoffgehaltes: Bei zunehmender Wassertemperatur nimmt die Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser ab. Gleichzeitig steigt der Sauerstoffbedarf der Fische aufgrund beschleunigter Stoffwechselprozesse. Es kann daher in spezifischen Fällen angezeigt sein, künstlich Sauerstoff ins Gewässer einzutragen. Es können beispielsweise Schaufelradbelüfter aus der Aquakultur zum Einsatz kommen. Diese Geräte haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie die Wasseroberfläche brechen und somit den Fischen auch eine hydraulische Deckungsstruktur bzw. Sichtschutz bieten.
Verfügen von Wasserentnahmestopps: Das Wasser von Oberflächengewässern wird vielfältig genutzt (zur Stromproduktion, zur landwirtschaftlichen Bewässerung, zu Kühl- und Wärmegewinnung etc). Während Hitzeereignissen sind insbesondere die Entnahmen zwecks Landwirtschaftlicher Bewässerung (Reduktion des Abflusses) und die Nutzung zu Kühlzwecken (Erwärmung des Wassers) problematisch. Da Zielkonflikte bestehen, sind die notwendigen Voraussetzungen für Wasserentnahmestopps klar zu definieren.
In der Vergangenheit wurden Fische oft grossflächig mit Strom aus den sich erwärmenden und austrocknenden Gewässern gefischt (Notabfischungen). Elektrobefischungen stellen jedoch für die ohnehin bereits gestressten Fische eine zusätzliche Belastung dar. Die Überlebenswahrscheinlichkeit der umgesiedelten Fische ist daher deutlich verringert. Ausserdem können mit Translokationen Fischkrankheiten verschleppt werden. Aus diesen Gründen sollten Notabfischungen nur noch nach einer sorgfältigen Interessenabwägung durchgeführt werden.
Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit: Es können Kampagnen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit gestartet werden, um die lokale Bevölkerung, Angler und Freizeitnutzer über die Empfindlichkeit von Fischen gegenüber Hitzewellen und Niedrigwasser aufzuklären. Dies trägt dazu bei, verantwortungsbewusstes Verhalten zu fördern.
Es ist wichtig zu beachten, dass Notfallmaßnahmen in Zusammenarbeit mit den relevanten Interessengruppen, einschließlich Wasserwirtschaftsbehörden, Fischereibehörden, Umweltorganisationen und lokalen Gemeinschaften, durchgeführt werden sollten. Diese Maßnahmen sollten sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und adaptiven Managementstrategien orientieren, um die wirksamste und nachhaltigste Reaktion auf die unmittelbaren Herausforderungen durch Hitzewellen und ihre Auswirkungen auf Fischpopulationen zu gewährleisten.
Unsere Arbeitshilfe beschreibt die Problematik, fasst die wichtigsten Grundlagen zu Hitzestress bei Fischen zusammen und formuliert Empfehlungen zum Fischschutz bei Hitzeereignissen. Auf zwölf Massnahmenblättern sind in übersichtlicher Form Best Practice Massnahmen zusammengestellt. Die Arbeitshilfe soll involvierte Akteure darin unterstützen, kurz- bis langfristig den Stress und die Sterblichkeit von Fischen aufgrund zu hoher Wassertemperaturen zu reduzieren.
Notre guide de travail expose le problème, fait la synthèse des principales connaissances de base sur le stress thermique chez les poissons et émet des recommandations pour leur protection en situation de canicule. Les meilleures pratiques sont présentées sous une forme claire et concise dans douze fiches de mesures. Ce guide de travail a pour ambition d’aider les acteurs concernés à réduire à court terme et à long terme le stress et la mortalité causés chez les poissons par un réchauffement excessif de l’eau.
Refugien für hitzeempfpindliche Fische am Hochrhein im Kanton Thurgau.
Mit der heutigen Schlussveranstaltung «Anpassung an den Klimawandel – wie kann sie gelingen?» endet das 10 Jahre dauernde Pilotprogramm des Bundes. Die Eröffnung durch Bundesrat und UVEK-Vorsteher Albert Rösti unterstreicht die Bedeutung der Thematik. Denn die Schweiz ist als Alpenland überproportional stark von den Auswirkungen der Klimaerwärmung betroffen.
Die Ergebnisse des Programms werden in der Publikation «Impulse für eine klimaangepasste Schweiz» und im Webdossier des BAFU zusammengefasst. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind sich einig, dass nun die breite Umsetzung der gefundenen Lösungen dringend angegangen werden muss. Ausserdem soll das Programm in eine permanente Form übergeführt werden, etwa als Innovationsprogramm, in welchem laufend Lösungen für die Anpassungen an den Klimawandel gefunden werden.
Während die Risiken für Menschen und Infrastrukturen im Mittelpunkt standen – Stichwort Naturgefahren – erhielt das Thema Biodiversität etwas weniger Beachtung. Dabei ist klar: Unsere Lebensgrundlage ist von dem Erhalt der Biodiversität abhängig. Massnahmen zum Erhalt der Biodiversität, wie sie auch in unserer Publikation «Fischschutzmassnahmen bei Hitzeereignissen» (PDF (DE / FR) enthalten sind, spielen eine wichtige Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel. Oder wie ein Tagungsteilnehmer etwas provokativ sagte: «Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, welche nicht dem Erhalt der Biodiversität dienen, sind zu wenig innovativ.»
Ein rot gefärbter Weiher ist nach wenigen Stunden wieder normal gefärbt und am nächsten Tag wieder rot. Diesem Mysterium sind wir auf die Schliche gekommen
Im Natur- und Tierpark Goldau wurde in der neu erstellten Storchenanlage auch ein neuer Weiher angelegt. Im Sommer darauf färbte sich dieser kräftig rot. Das kann es durchaus geben, bekannt sind ja die Blutseen in den Alpen.
Im Sommer war der Weiher in der Storchenanlage stark rot gefärbt.Dieses Foto entstand drei Stunden später und es war keine Spur mehr von rot zu sehen.
Mysteriös wurde es, als drei Stunden später der Weiher plötzlich wieder «normal» grün-blau aussah. Ein so schneller Farbwechsel eines ganzen Gewässers ist doch sehr unüblich. Aus Neugier wurde eine Wasserprobe entnommen und mikroskopisch untersucht. Es stellte sich heraus, dass es Augenflagellaten (Euglenophyceae) sind, welche zu den Algen gehören. Die in der Probe massenhaft vorhandene Art war Euglena sanguinea (Rotes Augentier), ein Einzeller, welcher mit dem Vorhandensein von Hämatochromkörnchen (rötlicher Farbstoff Astaxanthin) natürlicherweise rot gefärbt ist (siehe Blog-Beitrag: Algen – ein Partyknaller). Wenn sie aktiv sind, haben sie eine länglich-ovale Form, inaktiv rollen sie sich kugelförmig zusammen. Je nach Zustand waren diese Zellen um 30 bis 100 Mikrometer gross. Sie weisen einen Augenfleck auf, der auf Licht reagiert und eine Geissel zur Fortbewegung. Diese Augenflagellaten-Art ist nicht selten oder gar gefährdet, doch sie kommt auch nicht häufig vor.
Unter dem Mikroskop kommt man dem Mysterium näher.Die rote Farbe kommt vom Roten Augentier (Euglena sanguinea). Daneben die fädige Jochalge Spirogyra sp. die aber nichts mit dem Rotphänomen zu tun hat.
Im Buch von August Thienemann («Die Binnengewässer» von Prof. Dr. August Thienemann – Band XVI – «Das Phytoplankton des Süsswassers», 4. Teil von G. Huber-Pestalozzi. Stuttgart 1955) erfährt man mehr über diese Alge. Naturforscher haben beobachtet, dass es bei starker Beschattung einen Farbumschlag von rot nach grün gibt. Die Algen können somit ihre Färbung ändern. Ein Versuch mit künstlicher, starker Beschattung zeigte einen Farbumschlag nach 20 Minuten von rot nach grün. Bei einer Wieder-Besonnung dauerte es sogar nur sechs Minuten, bis die Algenblüte wieder rot war. Zudem können sie bei starkem Regen zeitweise verschwinden, da sie sich abkühlen und sich auf dem Boden sammeln, bis sie bei wärmeren Bedingungen wieder an die Oberfläche zurückkehren. Zusätzlich kann der Blickwinkel noch entscheidend sein. Je nach dem, von wo und in welchem Winkel der Weiher betrachtet wird, erscheint er mehr oder weniger rot. Eine spannende Alge ist sie auf jeden Fall!
Während Hitzeereignissen können die Wassertemperaturen stark ansteigen und empfindliche Fischarten in Hitzestress versetzen oder sogar deren Tod verursachen. Im Hochrhein stiegen in den Sommermonaten der Jahre 2018 und 2003 die Wassertemperaturen derart stark an, dass es zu massiven Fischsterben kam. Am stärksten davon betroffen war damals die Äsche.
Auch im aktuellen Sommer 2022 haben die Fische mit Hitze und den Auswirkungen der Trockenheit zu kämpfen. Zahlreiche Fliessgewässer im Mittelland führen kaum mehr Wasser und teilweise sind auch schon Fische an den hohen Wassertemperaturen zugrunde gegangen. Und auch im Hochrhein bei Neuhausen wurden Ende Juli und Anfang August Wassertemperaturen von über 25 °C gemessen und leider auch verendete Fische gefunden. Denn für empfindliche Fischarten wie Forellen und Äschen verursachen Wassertemperaturen von über 20 °C Stress, ab 23 °C wird es für sie kritisch und ab 25 °C sogar lebensbedrohlich!
Die für die Fischerei verantwortlichen Stellen der Anrainerkantone ergriffen bei diesen Hitzeereignissen eine Reihe von Notmassnahmen, mit dem Ziel, die Fische vor Hitzestress zu schützen bzw. deren Überlebenschancen zu erhöhen. Situationen mit Hitze und Trockenheit sind bedingt durch den Klimawandel in Zukunft vermehrt zu erwarten. Neben dem Hochrhein können auch weitere grosse und mittlere Fliessgewässer betroffen sein. Eine gute Vorbereitung kann helfen, die Lebensgemeinschaft der Fische bei künftigen Hitzeereignissen bestmöglich zu schützen.
Im Rahmen des Pilotprogramms des Bundes «Anpassungen an den Klimawandel» haben wir in Zusammenarbeit mit dem BAFU und den Fachstellen der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Thurgau, Schaffhausen und Zürich eine Arbeitshilfe erarbeitet, um das aktuelle Wissen zum Thema «Fischschutz bei Hitzeereignissen» zu sichern, zusammenzutragen, weiterzuentwickeln und zu publizieren.
Die vorliegende Arbeitshilfe soll ein Hilfsmittel für die Sensibilisierung, Information und Koordination der Entscheidungsträger bieten und die Akzeptanz von Betroffenen für notwendige Massnahmen erhöhen. Die Arbeitshilfe basiert auf den gemachten Erfahrungen der Jahre 2003 und 2018. Sie gliedert sich in eine Einführung in die Problematik von Hitzeereignissen und bietet praxisnahe Lösungen zur Bewältigung von Hitzereignissen mittels Anleitung zur Notfallplanung und Massnahmenblättern.
Fischschutzmassnahmen bei Hitzeereignissen. Arbeitshilfe.PDF
Mesures de protection des poissons en cas de canicule. Guide de travail.PDF