Ins Netz gegangen!

Fischers Fisch frisst Fischers Fisch. So unsere These nach der Untersuchung des Fälensees, in welchem die Fischereierträge dramatisch zurückgegangen sind. Doch stimmt es wirklich? Verbreitet wurden Zweifel geäussert.

Ob es wirklich funktioniert hat ist noch unklar, als das kleine Boot am frühen Morgen wieder auf den Fälensee hinausfährt, um die tags zuvor gesetzten Netze einzuholen. Die grossmaschigen Fallen wurden am Vortag sorgfältig gesetzt mit der Absicht, einem grossen Jäger auf die Schliche zu kommen: Der Kanadische Seesaibling (Salvelinus namaycush). Der gebietsfremde Fisch wurde über Jahre im See eingesetzt, weil er unter Anglern beliebt ist. Leider gingen die Fangerträge jedoch massiv zurück. Warum war lange Zeit unklar: in Fischerkreisen war von schlechter Wasserqualität die Rede, vom Einfluss der Alpbewirtschaftung oder sogar von giftigem Sediment am Boden des Sees.

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Die These steht, ihre Überprüfung steht bevor: Ökologisch begleitete Abfischung am Fälensee.

Die gewässerökologischen Untersuchungen von AquaPlus konnten schlechte Lebensraumbedingungen ausschliessen. In den Fokus geriet ein anderer Verdächtiger: Der Namaycush. Mit ausreichend Beute – rund das zehnfache des eigenen Körpergewichts – kann sich der schnellwüchsige Raubfisch zu einer stattlichen Grösse entwickeln. Aus den Fang- und Besatzzahlen liess sich ein Fischereimanagement–Modell zur Auswirkung grösserer Namaycush auf die Bestände der ebenfalls künstlich besetzten Seesaiblinge (Salvelinus alpinus) entwickeln. Nun ging es darum, die Theorie zu überprüfen.

Sorgfältig werden die Netze eingeholt: die Spannung unter den anwesenden Fischern, dem Fischrereiaufseher und besonders dem Gewässerexperten steigt. Die ersten Netze sind leer, Zweifel an der Frasstheorie werden wieder laut. Doch dann herrscht plötzlich Aufregung: „Kanadier!“ Der erste Namaycush ist da und wie eine Trophäe halten ihn die Fischer auf dem Boot in die Luft. Mit über 65cm entspricht er genau den Erwartungen der Fischökologen.

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Auf diese Kaliber haben die Angler am Fälensee vergeblich gewartet. Die kapitalen Jäger scheinen der Grund für den Ertragsrückgang zu sein.

Am Ende des Tages sind es sieben grosse Namaycush mit bis zu 74.5 cm Länge und 4.65 kg Gewicht. Die Magenanalyse der gefangenen Jäger zeigt: Hauptsächlich heimische Seesaiblinge mit bis zu 27 cm Länge und bis zu drei Fische gleichzeitig. Die Jäger haben einen gesunden Appetit. Eine überschlagsmässige Rechnung zeigt, dass die wenigen gefangenen Raubfische rund 280 kg Fischnahrung in ihrem Leben gefressen haben – was etwa 2800 Seesaiblingen entspricht.

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Eine Magenanalyse lügt nicht: bis zu 27 cm Länge weisen die gefressenen Seesaiblinge auf.

 

Medienspiegel

Beiträge zum Thema wurden bereits publiziert auf SRF, Luzerner Zeitung, Watson, FM1 TODAY, 20 Minuten und Die Ostschweiz.

Fischers Fisch frisst Fischers Fisch

Was geschieht mit den Fischen im Fälensee? Seit Jahren sind die Fangzahlen im Appenzeller Bergsee rückläufig, trotz Besatz mit Kanadischem Seesaibling, einheimischem Seesaibling und Bachforelle.

Der grosse Besatzfisch frisst den kleinen Besatzfisch.

Der Schlüssel zum Verständnis des Fangrückgangs im Alpstein liefern die Arten selbst: Der Kanadische Seesaibling (Salvelinus namaycush) ist ein schnell wachsender und sehr hungriger Raubfisch. Unsere gewässerökologischen Untersuchungen und Analyse der Besatzzahlen zeigten, dass die grossen 6–7 jährigen Namaycush für den Rückgang verantwortlich sind. Diese Fische fressen rund 7.5–8 kg Frischfisch pro Jahr – Fische die die Fischer dann nicht mehr an der Angel haben. Fischers Fisch frisst Fischers Fisch. Das zukünftige Fischereimanagement am Fälensee sieht nun vor, den Bestand grosser Namaycush durch Grundnetzbefischungen zu reduzieren und dadurch wieder attraktive fischereiliche Bedingungen am Fälensee zu schaffen.

Mageninhalt eines Kanadischen Seesaibling (Salvelinus namaycush)
Im Magen dieses Seesaiblings wurden drei Fische gefunden, einer fast halb so lang wie der Räuber selbst. Quelle: Bruno Polli und Danilo Foresti, Ufficio della Caccia e della Pesca.

Erfolgreiche Gewässerschutzmassnahmen: Alpsteinseen bezüglich Nährstoffen wieder im naturnahen Zustand.

Die Thematik hat für ein gewisses Aufsehen gesorgt. So wird zur Zeit aufgrund unserer Gewässeruntersuchungen in verschiedenen Medien vom Fälensee berichtet (siehe unten). Neben dem «Trouble» um den Fischschwund geht eine weitere Nachricht unter: Unsere limnologischen Untersuchungen (Tiefenprofile, Plankton, Kieselalgen, Phosphat) haben gezeigt, dass die Eutrophierung (Überdüngung) der anderen zwei Alpsteinseen – Seealpsee, Sämtisersee – überwunden werden konnte. Im Fälensee braucht es jedoch noch gewisse Anstrengungen. Bei den Nährstoffen und bei den Fischen.

Link zum Beitrag «Jagd auf Raubfische im Bergsee» im Regionaljournal Ostschweiz des SRF.

Link zum Artikel «Kanadische Raubfische fressen Bergsee leer» auf 20 Minuten online (publiziert in Printversion Ostschweiz).

Link zum Artikel «Raubfische fressen Fälensee leer» im Tagblatt.

Publikation zum Thema: Fänge von großen Raubfischen im Lago di Tom (italienisch).