Schnee von gestern

Die Erzeugung von technischem Schnee hat in den letzten rund 20 Jahren stark zugenommen. Während 1997 in der Schweiz noch weniger als 5 % der präparierten Pistenfläche beschneit wurden (mit Schnee von gestern), sind es aktuell um 40 % (mit Schnee von heute). Als Folge der Klimaerwärmung wird prognostiziert, dass die mittleren Temperaturen im Winter und damit verbunden auch die Schneefallgrenze deutlich ansteigen werden. Aktuell verkündet MeteoSchweiz in Höhenlagen über 1’000 m den drittwärmsten Januar seit Messbeginn 1864.

Situation in der Schweiz

Schneekanone
Gestern noch selten, heute ein vertrautes Bild: Schneekanone am Pistenrand.

Seit 1990 hat sich der Anteil beschneiter Pistenfläche auf 92 km² verzehnfacht, was einer Fläche von 12’600 Fussballfeldern entspricht. Zurzeit sind 15’000 Schneekanonen und Lanzen im Einsatz. Der Wasserverbrauch schwankt je nach eingesetzter Technik, klimatischen Bedingungen und Standort. Für 1 m³ Schnee werden rund 0.2-0.5 m³ Wasser benötigt. Dies ergibt pro Hektare beschneiter Piste mit einer Schneehöhe von 30 cm einen Wasserbedarf von rund 600 bis 1’500 m³. Auf alle Beschneiungsanlagen der Schweiz hochgerechnet ergibt dies einen jährlichen Bedarf von 18 Millionen Kubikmeter Wasser, was etwa dem Bedarf von 140’000 Haushalten entspricht.

Charakterisierung von technischem Schnee und generelle Einflüsse

Für die Erzeugung von technischem Schnee sind Lufttemperaturen unter minus 3°C und eine Luftfeuchtigkeit von weniger als 80 % notwendig. Im Gegensatz zu natürlichem Schnee (20-300 kg/m³) ist technischer Schnee mit 400-480 kg/m³ um einiges dichter. Im Mittel enthält daher eine Kunstschneedecke rund doppelt soviel Wasser, wie eine natürliche Schneedecke. Technisch erzeugte Schneekörner sind rund und sehr klein (Körner mit 0.1 bis 0.8 mm Durchmesser). Da die Schneekörner beim Gefrierprozess oft platzen, entstehen sehr kleine und scharfe Schneesplitter. Der technisch erzeugte Schnee hat eine hohe Widerstandsfähigkeit und eignet sich daher bestens als Unterlage für den Aufbau einer Piste anfangs Saison.

Skipiste
Kunstschnee schmilzt später als natürlicher Schnee und führt dadurch zu einer veränderten Hydrologie.

Wasser für die künstliche Beschneiung wird vor allem dann gebraucht, wenn die Bäche wenig Wasser führen. Es braucht daher Speicher.

Der Wasserbedarf ist daher besonders im November und Dezember gross. Weil dann die Bäche wenig Wasser führen, wird das Wasser wenn möglich aus Reservoirs, Speicherseen oder natürlichen Seen bezogen. Mit dem Bau von Beschneiungsanlagen sind diverse bauliche Eingriffe in die Landschaft nötig (Leitungsbau, Betriebs- / Pumpgebäude, Verteilschächte, Pistenplanierungen, Speichersee etc.). Insbesondere der Leitungsbau und die Pistenplanierungen sind heikel und können Auswirkungen auf die Vegetation haben.

Auswirkungen von technisch hergestelltem Schnee auf den Boden

Aus Sicht Umwelt und Ökologie kann technisch erzeugter Schnee ganz unterschiedliche Effekte haben:

Mit dem Schnee können auch andere Stoffe und Organismen ausgebracht werden, welche im Wasser enthalten waren.

  • Nährstoffeintrag: Je nach Herkunft des verwendeten Wassers, enthält der technisch erzeugte Schnee erhöhte Mengen an Ionen, Nährstoffen und / oder Trübstoffe. Wird der technische Schnee auf Flächen ausgebracht, welche landwirtschaftlich genutzt werden, ist dies oft unproblematisch. In höher gelegenen extensiv genutzen Gebieten, insbesondere Magerwiesen und basenarmen Mooren kann ein Nährstoffeintrag negative Folgen haben. Der Eintrag von Nährstoffen, wie auch das spätere Ausapern von beschneiten Pisten, kann Auswirkungen auf die Artenzusammensetzung der Vegetation haben.

  • Hygiene und Schadstoffe: Je nach Herkunft des Wasser kann der technisch erzeugte Schnee Schadstoffe oder Krankheitserreger enthalten, welche mit dem Schmelzen des Schnees in den Boden und ins Grundwasser und Fliessgewässer gelangen können.

  • Bodenstabilität: Der hohe Wassergehalt von Kunstschneedecken kann Auswirkungen auf die Bodenstabilität haben. Es kann zu Erosion und Erdrutschen kommen.

  • Drainage von Feuchtgebieten: Das Verlegen von Leitungen durch Feuchtgebiete kann Versickerungen verursachen und Feuchtgebiete entwässern.

Auswirkungen von technisch hergestelltem Schnee auf die Gewässer

In niederschlagsarmen Perioden wird für die Produktion von technisch erzeugtem Schnee Wasser benötigt, was negative Auswirkunegen auf aquatische Lebensräume mit ihren Lebensgemeinschaften haben sowie zu Nutzungskonflikten führen kann. Je nach Gewässertyp und -grösse sowie Situation im Gewässer kann es zu ganz unterschiedlichen Effekten kommen. Besonders heikel ist es bei folgenden Gewässer und Nutzungen:

  • Bäche mit geringer Grösse, quellnaher Lage, Versickerung (Einfluss aufs Grundwasser) und geringer Wasserführung

  • Gewässer mit schlechter Wasserqualität (Abwasser, erhöhte Nährstoffkonzentrationen infolge z. B. Abschwemmung ab Alpweiden, Mikroverunreinigungen, erhöhtem Trübstoffgehalt, pH-Wert)

  • Gewässer aus anderen Einzugsgebieten als die zu beschneienden Pisten (andere Geologie und damit andere Ionenzusammensetzung, Störung des natürlichen hydrologischen Kreislaufes)

  • Gewässer mit Nutzungskonflikten (Trinkwasser, Wasserkraft, Naturschutzgebiet, Grundwasserschutz)

  • Kleinseen mit langer Eisbedeckung und Gefahr der Sauerstoffzehrung (Sauerstoffarmut unter Eis, Fischsterben, Amphibiensterben etc.)

  • Kleinseen mit flachen Ufern und infolge Wasserentnahme einer Absenkung des Wasserspiegels (Wasserpflanzen, Wasserwirbellose, Amphibien, Absenkung unter die natürliche Abflussquote und saisonales Trockenlegen des Ausflusses, Entwässerung von angrenzenden Flachmooren)

  • Energieproduktion: Die Entnahme von Wasser kann zu einer saisonalen Reduktion der Wasserkraftnutzung führen.

  • Trinkwasserversorgung: Die Wasserentnahmen ab Quellen kann zu Einbussen in der Trinkwasserversorgung führen.
  • Naturschutzgebiete: Insbesondere Hangmoore, Riedgebiete, Kleinseen und Tümpel, welche durch Quellen gespiesen werden, könnten infolge dieser Nutzung entwässert werden.

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Umweltabklärungen in Zusammenhang mit Beschneiung

Eine ganze Reihe von Umweltaspekten ist bei der Projektierung von Beschneiungsanlagen zu berücksichtigen.

Mit voranschreitendem Klimawandel gewinnt die Erzeugung von technischem Schnee weiterhin an Bedeutung. Neben den energetischen Überlegungen und den Anforderungen an die Infrastruktur sind dabei wie zuvor aufgezeigt auch die ökologischen Auswirkungen auf die Böden und die Gewässer nicht ausser Acht zu lassen. Dazu gehören chemische Untersuchungen (Wasserqualität, Phosphor- / Stickstofffracht, Kalk, Trübstoffe, pH-Gehalt, Sauerstoffentwicklung in Kleinseen unter Eis), biologische Abklärungen in aquatischen Systemen (Bakteriologie, Hygiene, etc.) oder Vegetationsaufnahmen (Kartierungen etc.), um nur einige aufzuzählen.

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